Isabel Reusser
Autorin Neurodivergenz & Frauengesundheit
Ohne mein Anderssein wäre ich nie Autorin geworden. Lange habe ich nicht verstanden, warum bei mir vieles anders läuft. Bis dahin habe ich einige Umwege gemacht.
Viele Gedanken, viele Fragen
Gedankenkarussell, Neugier und die Angewohnheit, immer noch eine Frage mehr zu stellen. Das war ich, schon als Kind. Dazu die Freude daran, Geschichten und das echte Leben mit Humor zu beobachten. Ich war still und eher zurückgezogen, ein Kind, das erwachsener wirkte als andere in dem Alter. Und ich habe früh gemerkt, dass ich Dinge anders wahrnehme, ohne sagen zu können, was genau daran anders ist.
Große Träume
Ich wollte Kinderärztin werden, Medizin hat mich schon immer fasziniert. Damals dachte ich, nach der Schule käme eine Welt, in der ich die Menschen endlich verstehe und sie mich. Ich habe lange nach einem Ort gesucht, an dem ich richtig bin. Erst viel später habe ich verstanden, warum ich mich überall fremd gefühlt habe.
Struktur und Gedankenchaos
Ich studierte Betriebswirtschaft sowie Arbeits- und Organisationspsychologie und arbeitete viele Jahre als Unternehmensberaterin und in der Immobilienbranche. Mit möglichst viel Struktur versuchte ich, ein Gehirn zu bändigen, das am liebsten fünf Dinge gleichzeitig denkt. Systeme, Prozesse, Ordnung von außen. Es hat gut funktioniert, jahrelang. Nur habe ich lange nicht gemerkt, was es mich kostet.
Mein erstes Buch
Als mir die Gebärmutter entfernt werden musste, habe ich angefangen zu recherchieren. Wochenlang, wie ich das immer mache, wenn mich etwas nicht loslässt. Und dann festgestellt, dass es kaum verständliche Literatur für Frauen in dieser Situation gibt. Also habe ich sie selbst geschrieben. Meine Ex-Gebärmutter erschien im Selfpublishing und kam auf die Shortlist des Deutschen Selfpublishing-Preises. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Diagnose Brustkrebs
Die Diagnose kam im Frühjahr. Dass ich medizinisch immer etwas speziell bin, wusste ich schon von meinen anderen Erkrankungen. Diesmal war es wieder so, bei der Krebsart und bei den Nebenwirkungen. Es gibt viele Angebote für Brustkrebspatientinnen, aber ich habe mich in keinem davon wiedergefunden. Auch in den Communities nicht. Ich habe mich oft sehr allein gefühlt und mich gefragt, ob es anderen Frauen auch so geht.
Neustart als Autorin
Nach meiner Brustkrebserkrankung musste ich mich beruflich neu orientieren. Etwa zur gleichen Zeit bekam meine Tochter die Diagnose AuDHS, und vieles über mich selbst ergab plötzlich Sinn. Heute schreibe ich über Neurodivergenz und Frauengesundheit. Das bringt mir selbst Klarheit. Und hoffentlich vielen anderen Frauen auch.